1.Klassische Sichtweisen
Im orthodoxen sunnitischen Islam dreht sich primär alles um die vier Rechtsschulen. Je nach dem, welcher Herkunft man ist, gehört man auch einer der dort ansässigen Rechtsschulen an. So ist die Mehrheit der Muslime in der Türkei z.B. der Rechtschule der Hanefiten zugehörig.
Bei der Frage nach der Frauenbeschneidung sehen die Meinungen der Rechtsschulen so aus:
Malikiten und Hanbaliten befürworten die Frauenbeschneidung
Schafiiten halten sie für eine religiöse Pflicht
Hanefiten lehnen die Beschneidung der Frau ab1
Die Hanefiten bilden mit 50% übrigens die am weitest verbreitete Rechtsschule, was erklärt, dass die Beschneidung von Frauen in der islamischen Welt nicht übermäßig weit verbreitet ist.
2.Quellenmaterial
Woher rühren also nun die Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Beschneidung von Frauen?
Es liegt ganz klar an der unsicheren Quellenlage. So berichtet der Koran gar nichts über eine etwaige Beschneidung. Die zweite Rechtsquelle des Islams hält diesbezüglich einige Überlieferungen bereit, deren Authentizität jedoch nicht einwandfrei zu bestätigen ist.
In der heutigen Zeit stützen sich diejenigen, die die Frauenbeschneidung für empfohlen oder gar für Pflicht halten auf die folgenden als authentisch anerkannten Ahadith:
Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Zur Fitra (natürlichen Veranlagung) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung, das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel, das Aus zupfen der Achselhaare und das Kurzscheiden des Schnurrbartes.2
Aisha, Allahs Wohlgefallen auf ihr, berichtete:
Der Gesandte Gottes (mögen der Frieden und der Segen Allahs auf ihm sein) sagte: „Wenn ein Mann zwischen den vier Teilen (Arme und Beine seiner Frau) sitzt und sich die beiden beschnittenen Teile berühren, dann ist der Ghusl (rituelle Ganzkörperwaschung) verpflichtend“3
Diejenigen, die sie ablehnen merken an, dass es bei dem ersten Hadith unklar ist, ob sich alles, außer dem Kurzscheiden des Schnurrbartes auf die Frau bezieht, oder ob nicht mit der Beschneidung ebenso auch nur die Beschneidung des Mannes gemeint sei und bei dem zweiten, dass er keine Anweisung enthalte, sondern lediglich einen damals weit verbreiteten Zustand beschreibe.
Ein weiterer Hadith, der jedoch von einigen als authentisch, von anderen jedoch als falsch bezeichnet wird lautet:
Überliefert von Atiyyat al-Ansariyyah: Eine Frau war gewohnt, die Beschneidung in Medina durchzuführen. Der Prophet (mögen der Frieden und der Segen Allahs auf ihm sein) sagte:"Schneide nicht zu heftig, denn dieses ist besser für die Frau und begehrenswerter für den Ehemann.4
3. Die Praxis der islamischen Beschneidung:
Im Falle einer Beschneidung der Frau ist es Konsens unter den Gelehrten, dass dabei das oberste Stück der Haut an der Klitoris (Klitorisvorhaut) entfernt wird.5
Aussagen darüber, wie viel bei der Frau entfernt werden sollte sind im folgenden Aufgelistet:
Ibn As-Sabbâgh schrieb in Asch-Schâmil: „Der Mann muss die Haut an der Spitze des Penis ganz entfernen, bis die Eichel vollständig sichtbar wird. Bei der Frau sollte die Haut, die etwas wie ein Hahnenkamm aussieht, zwischen den beiden Schamlippen vorne an der Vagina beschnitten werden. Bei der Beschneidung sollte der Rumpf wie eine Dattelkern gelassen werden.“
Al-Juwaini sagte: Der Hadîth zeigt, dass [bei einer Frau] nicht zu viel entfernt werden sollte, denn er sagte: „Lass noch etwas vorstehen und übertreibe nicht bei der Beschneidung.’“ (Tuhfat Al-Maudûd, 190-192). 6
Eine Entfernung der Klitoris findet also nicht statt.
Fußnoten:
1. Bosworth/van Donzel, The encyclopedia of Islam, S.20
2. Nummer des Hadith im Sahih Muslim: 257 ; im Sahih Buhary: 5889
3. Nummer des Hadith im Sahih Muslim: 349
4. Nummer des Hadith bei Abu Dawud: 5271
5. Majmû’ Al-Fatâwa, 21/114
6. Islam Q&A (www.islam-qa.com)
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Kommentare
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Anmerkung von Meine-Islam-Reform:
Salamunalaikum Koranfeind!
Ich nehme an, sie meinen, daß es Schwachsinn ist, wenn die Mehrheit der Muslime die Beschneidung der Frau ablehnt? Sehe ich das richtig?
Wa salam,
Andreas Heisig
Geht man davon aus, dass der muslimische Glaube im Orient seinen Uersprung hat, im "Sandland" also, wollte man sich auf diese Weise sicher nur besser vor dem feinen Sand schützen um Krankheiten zu vermeiden. Gut möglich, dasss auch Mohammed einzig aus diesem Grund beschnitten war. In der heutigen Zeit kann man sich durch angemessene Kleidung besser als damals schützen. Beschneidung jeglicher Art, auch bei Männern, wäre deshalb nicht mehr notwendig. Es sei denn, manche "Männer" möchten so aussehen wie Mohammed. Dann sollte sie aber auch die freie Wahl haben, ja oder nein zu sagen.
Geht man davon aus, dass der muslimische Glaube im Orient seinen Uersprung hat, im "Sandland" also, wollte man sich auf diese Weise sicher nur besser vor dem feinen Sand schützen um Krankheiten zu vermeiden. Gut möglich, dasss auch Mohammed einzig aus diesem Grund beschnitten war. In der heutigen Zeit kann man sich durch angemessene Kleidung besser als damals schützen. Beschneidung jeglicher Art, auch bei Männern, wäre deshalb nicht mehr notwendig. Es sei denn, manche "Männer" möchten so aussehen wie Mohammed. Dann sollte sie aber auch die freie Wahl haben, ja oder nein zu sagen.
Islam ist ja keine neue Religion und in der Tora gab es auch keine Frauenbeschneid ung. Isa a.s.brachte auch kein neues Gesetz, sondern sagte: ich erfülle das Gesetz Da soll man auch selber den Verstand einschalten - Allah hat die Din vollendet im Quran, keine neue Din, Frauenbeschneid ung ist ein heidnischer Brauch. Die Beschneidung der Männer hat Allah selber angeordnet in der Tora, und Muhammad s.a.w.s. hat sie wiederum angeordnet, jeder Mann weiss, dass sie der Sauberkeit dient, doch bei einer Frau bedeutet es Verstümmelung und das würde den Schriften total widersprechen. Da würde ich mal den Verstand einschalten und selber mal einen Hadith als Schwach erklären, weil er ganz einfach nicht authentisch ist, d.h. nicht mit dem Quran und der Tora übereinstimmt und sicher nicht den Schriftgelehrte n folgen.
Salamaleikum
Habiba
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